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Gesellschaft für Kunst und Gestaltung – Hochstadenring 22 – 53119 Bonn - 7. Juni – 26. Juli 2009

GAMESnogames

Die kulturelle Bedeutung des Spiels reicht von seinem Ursprung, frei von einem unmittelbar praktischen Zweck, die Spieler zu erfreuen und ihre Geschicklichkeit zu entfalten, über experimentelle hin zu modellhaften Konstruktionen parallel zur Wirklichkeit, um unter Einsatz eigener Fähigkeiten und in der Hoffnung auf den glücklichen Zufall Gelingen und Scheitern, Siegen und Besiegtwerden, Erfolg und Misserfolg, Gewinn und Verlust zu erproben.

Die Ausstellung vereint Arbeiten von 11 Künstlern aus Deutschland, der Schweiz, Brasilien, den USA und Australien, die exemplarisch verschiedene Aspekte des Spiels zeigen: als eines mit abstrakten Formen und mit Farben, ihrem Zusammenspiel oder ihren Bewegungen im Raum; als Mittel, Fragen zu stellen – beispielsweise an die Selbstverständlichkeit von sprachlichen und gesellschaftlichen Konventionen, an seine Identität stiftende oder die Realität fliehende Potenz; oder auch als Ausdruck des Verlangens, das Unvorstellbare sichtbar werden zu lassen, Glück und Zufall dingfest zu machen, Regeln und Definitionen zu unterwandern, ihre Absurdität aufzuzeigen.

Kurt Schwerdtfeger (1897 – 1966)
Dokumentationsfilm des 'Reflektorischen Farblichtspiels', das Kurt Schwerdtfeger erstmals in Kandinskys Wohnung uraufführte, und ab 1922 im Bauhaus in Weimar, in Jena, in Berlin und Stettin zeigte. Die Projektion farbiger Schablonenformen auf eine Reflektionsebene folgt einem szenischen Ablauf von Farbmischungen und Formüberschneidungen, indem Mitspieler die Lichtquellen und Schablonenformen nach einer bestimmten Partitur bewegen. Die filmische Dokumentation von Stefan Schwerdtfeger beruht auf der nach 1945 erfolgten Rekonstruktion.

Anton Stankowski (1906 – 1998)
Magnetspiel, 1984 - Die variable Konstruktion basiert auf quadratischen Magnetplättchen mit jeweils zwei farbigen Dreiecken und einem weißen, diagonal verlaufenden Streifen dazwischen, die dem Spieler die Möglichkeit geben, in selbst bestimmter Reihenfolge eigene Rhythmen von Farben und Formen zu entwerfen.

Manfred Mohr (*1938, Pforzheim, lebt und arbeitet seit 1981 in New York)
'Subset', Computerinstallation, 2004 und 3 Stills, 2007 - Das vom Künstler geschriebene Programm baut auf dem 11-dimensionalen Würfel auf. Während seiner endlosen Drehung vor einem grünen Hintergrund erscheint auf dem Bildschirm eine sich stetig ändernde Teilansicht.

Timm Ulrichs (*1940, Berlin, lebt und arbeitet in Münster und Hannover)'
Mit Arbeiten wie Vage Waage' aus zwei Wasserwaagen und einer Schnur, variabel aufzuhängen, dem ‚Variator’ (1962/68/75), einem Zusammenlegspiel aus quadratischen Magnetplättchen mit Kreisformen, die in beliebiger Reihenfolge gelegt werden können, oder seinen 'Würfel'-Würfeln und 'Glücks’-Würfeln' betreibt Ulrichs ein ebenso subversives wie absurdes (Sprach-)Spiel mit dem Definierten und dem Zufall.

Ugo Dossi (*1943, München, lebt und arbeitet dort)
In einer Siebdruckserie (Aufl. 249; 1973) sind die Bewegungen von Spielzügen in zehn weltberühmten Schachpartien als Farbspuren nachvollzogen und mit geistes- und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in Verbindung gebracht.

Alex Hanimann (*1955, Mörschwil SG, lebt und arbeitet in Zürich / CH);
Der Künstler betreibt ein komplexes konzeptuelles Spiel mit Sprache, das hier am Beispiel zweier Leuchtkästen mit aufgedruckten Buchstaben in Kreisen Worte als bildnerisches, sinnlich erfahrbares Material benutzt, um die scheinbare Logik der Sprachkonventionen zu brechen und die Selbstverständlichkeit der Sprache in Frage zu stellen.

Pavel Schmidt (*1956, Bratislava/Slowakei, lebt und arbeitet seit 1968 v. a. in der Schweiz)
Zwei aus jeweils einer Hälfte von Michelangelos 'David' und von Botticellis 'Geburt der Venus' zusammengefügte Puzzles werden u.a. zum Sinnbild für das postmoderne Spiel mit der Kunstgeschichte, aus der Zitate herausgegriffen und nach Belieben neu zusammen gesetzt werden.

Silke Koch (*1964, Leipzig; lebt und arbeitet in Berlin)
Die Videoinstallation 'GAMES' aus 5 Monitoren, 5 DVD-Playern und einem Verstärker(2003) zeigt zeitversetzt kurze Explosionsszenen aus Zeichentrickfilmen, die mit entsprechenden Tonzitaten aus 'Tom und Jerry' unterlegt sind. Das alte Spiel von Katz und Maus, Held und Antiheld, Starken und Schwachen, spiegelt die Absurdität von Kriegen, offenbart seine verharmlosende Brutalität.

In der 18-teiligen Serie ‚Hall of Fame’ wechseln sich kleine kunstlose Stempelformen von Pferden mit den Namen berühmter Rennpferde ab, die die Sehnsüchte und Hoffnungen ihrer Besitzer beschwören.

Christoph Ebener (*1967 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Hamburg)
Anstelle eines lachenden Strich-Gesichts auf gelbem Grund, das kleinen Kindern die Angst vor der Dunkelheit nehmen soll, sind Ebeners Steckdosenobjekte mit 'no fear' auf erleuchtetem rotem bzw. 'keine Angst' auf blauem Grund beschriftet – ein Spiel mit der Psychologie der Angst als dem dunklen, lähmenden und dem erleuchtenden, kreativen Prinzip.

Laresa Kosloff (*1974, Melbourne/Aus, lebt und arbeitet dort)
Videofilme wie ‚Spirit & Muscle’, 2006 oder ‚New Diagonal’, 2007 zeigen die Gegensätzlichkeit von körperlicher Bewegung und ästhetischer, absoluter Form auf. Ausgehend von Theorien und Idealen der Moderne, wie sie im Kubismus, im Bauhaus, im russischen Konstruktivismus entwickelt wurden, thematisiert Kosloff mit Bezügen auf Schlemmers 'Triadisches Ballett' und die Slapstick Comedy eines Charlie Chaplin die Figur in Relation zur ästhetischen Form in ihrer Autonomie und Absonderung vom restlichen Leben der Menschen.

Felipe Barbosa (*1978, Rio de Janeiro / Brasilien, lebt und arbeitet dort)
Das Fußball-Objekt aus zusammengenähten Fußbällen und der Wandteppich aus aufgeschnittenen Fußbällen vereinen in einer für Barbosa charakteristischen Weise gleichermaßen dadaistische wie geometrisch-konstruktive Aspekte miteinander, um das Identität stiftende Potential des Fußballs zu hinterfragen.

Einladungskarte Ausstellung GAMES.nogames