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Niederländische Kunst 80 Jahre nach van Doesburgs Manifest zur konkreten Kunst

Bob Bonies - José Heerkens - Arjan Janssen
Gracia Khouw - WJM Kok - Krijn de Koning
Henk Peeters - Piet Tuytel - Guido Winkler

Eröffnung: Samstag, den 27. November 2010, 17 Uhr

Begrüßung: Martin Schumacher, Kulturdezernet der Stadt Bonn
Die Künstler im Gespräch

Sonntagskultur am Hochstadenring ab 11 Uhr: 05. 12. 2010 und 02. 01. 2011

Finissage mit Katalogpräsentation: Sonntag, 30 01. 2011, 11.30 Uhr

Dauer der Ausstellung: 28. 11. 2010 – 30. 01. 2011
(geschlossen von 23. 12. – 01. 01. 2011 einschl.)

Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr 15 – 18, Sa 14 – 17, So 11 – 14 Uhr
Wir danken
dem Königreich der Niederlande für finanzielle Unterstützung
dem Arithmeuem Bonn für Leihgaben
Theo van Doesburg (1883 – 1931) war nicht nur die Verkörperung von de Stijl, er war als Künstler, Theoretiker, Organisator, Herausgeber und Lehrer treibende und inspirierende Kraft der internationalen Avantgarde schlechthin. Zunächst in der anarchisch-subversiven Sprache Dadas, dann in der rationalen Klarheit des Konstruktiven und Konkreten, brachte er Kunst und Leben einander näher, mischte das Weimarer Bauhaus auf und beeinflusste es nachhaltig.

Erstmals 1924 auf seine eigenen Arbeiten angewendet, gründete van Doesburg 1929 die Gruppe Art Concret in Paris, um in dem 1930 veröffentlichten Manifest die Grundlagen der konkreten Kunst in sechs Punkten zu beschreiben: als universelle Kunst, die vor ihrer Ausführung vollständig im Geiste entworfen und durchgestaltet, also rational sein soll; die keine natürlich, sinnlich oder emotional vorgegebenen Formen, nichts Lyrisches, Dramatisches oder Symbolisches enthalten dürfe, vielmehr konstruiert ist aus rein bildnerischen Elementen, die nur ‚sich selbst’ bedeuten, einfach und visuell überprüfbar sind, exakt hergestellt und von absoluter Klarheit.
Bereits im Laufe des Jahres 1930 erkannte der wegen seines Dogmatismus vielfach kritisierte van Doesburg, der zugleich Dynamik und Veränderung lebte und pries, dass die Zeit rigider Manifeste und Regeln vorbei war. Im Februar 1931 wurde die Gruppe Abstraction – Création in seinem Haus in Meudon gegründet – nur drei Wochen vor seinem Tod am 7. März 1931.

Die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung nimmt das 80-jährige Jubiläum seines Manifests zur konkreten Kunst und sein 80. Todesjahr 2011 zum Anlass, in einer Ausstellung der Frage nach Aktualität und Wirkung des ‚Vaters der konkreten Kunst’ in den Niederlanden bis heute nachzugehen. Bei der Auswahl der Künstler/innen ist die Auseinandersetzung mit van Doesburgs Vorstellungen von einer konkreten als einer universellen Kunst ein erster Anhaltspunkt. Darüber hinaus wird – 80 Jahre nach seinem Tod - nach dem Fortleben dessen gefragt, was die Künstlerpersönlichkeit van Doesburg in ihrer Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit initiiert, gefordert und verfolgt hat.

Die ausgewählten Werke von sieben Künstlern und zwei Künstlerinnen im Alter zwischen 85 und 40 Jahren offenbaren exemplarisch die Vielfalt der Beschäftigung mit und Beeinflussung durch van Doesburg - von der mehr oder weniger direkten Anknüpfung an de Stijl über die Reibung bis hin zum reflektierten Widerstand. Ihnen liegen Fragen nach den Bedingungen und Voraussetzungen von Kunst als solcher und ihrem Realitätsgrad zugrunde, Fragen nach Farbe und Licht, Raum und Zeit, Statik und Dynamik.

Bereits van Doesburg und ihm geistesverwandte Künstler erkannten, dass diese Fragen für die Kunst von zentraler Bedeutung sind. Immer noch und weiterhin bedienen sich Künstler dabei der geometrischen Grundformen in ihren unerschöpflichen Möglichkeiten, ob streng oder spielerisch, systematisch oder intuitiv, konzeptuell und selbstreferenziell oder mit dadaistisch anmutendem Alltagsbezug.

Während der eng gefasste Begriff der konkreten Kunst als einer ausschließlich auf mathematischen Gesetzen und Systemen basierenden Kunst von vielen der jüngeren Generation abgelehnt wird, ist sie als sinnlicher Ausdruck einer gegenstandslosen Welt der Ideen, Konzepte und Theorien und nicht zuletzt des Fragens nach ihren eigenen Voraussetzungen und Bedingungen von ungebrochener Lebendigkeit, Aussagekraft und Relevanz.

Es sind die beiden Vertreter der älteren Generation, die jeweils an den beiden gegensätzlichen Polen, die van Doesburg in sich vereinte, anknüpfen:
So spürt Henk Peeters (*1925), Mitbegründer der Gruppe ‚nul’, dem dadaistisch-subversiven Moment, mit Lust und Humor nach. Das rationale, auf die geometrischen Grundformen reduzierte Repertoire von Bob Bonies (*1937) dagegen gründet auf de Stijl.
Dazwischen spannt sich ein weites Feld unterschiedlicher Anknüpfungsmöglichkeiten. Die Arbeiten von Krijn de Koning (*1963), Arjan Janssen (*1965) und Guido Winkler (*1969) zeigen deutliche Verbindungen zu de Stijl, doch steht bei ihnen weniger das serielle Variieren der vollkommenen geometrischen Form als vielmehr ein eher spielerischer, sinnlicher Umgang mit Objekthaftem, Raum, seinen Grundelementen und Grundfarben im Vordergrund.
WJM Kok (*1959) wiederum treibt die Konkretion der Malerei an ihre äußerste Grenze, wenn er in seinen konzeptuellen Arbeiten die Bedingungen von Malerei und ihrer Wahrnehmung befragt.
Gracia Khouw (*1967) arbeitet in freier typologischer Setzung mit Sprache und Schrift, während Piet Tuytel (*1956) mit dadaistischem Augenzwinkern Gebrauchsmaterial, strenge Form und Serialität miteinander verbindet.
José Heerkens (*1950) schließlich hat sich von der Abstraktion hin zu einer Konkretion entwickelt, die mit ihren rhythmisch gesetzten Farblinien an Notationen erinnert.

Allen Künstler/innen gemeinsam ist, dass sie so international orientiert und vernetzt sind, wie van Doesburg es vorgelebt hat.

Wir danken
für finanzielle Unterstützung dem Königreich der Niederlande
für Leihgaben dem Arithmeum, Bonn

Theo lives? -
Dutch art 80 years after the ‘manifesto on concrete art’ by Theo van Doesburg

Theo van Doesburg was not only the incarnation of de Stijl, he was inspiring and moving power to the international avant-garde being artist, theorist, organizer, editor and teacher. First in the anarchic-subversive language of DADA, later in the rational serenity of the constructive-concrete movement, he made art and life approach; he agitated the Bauhaus in Weimar and influenced it persistently.

In 1924 he first applied his theories to his own work. After having founded the group ‘art concret’ in Paris in 1929, he published the basics of concrete art in his manifesto of 1930, describing them in six items:
As global art, being completely intellectually created and designed before execution, hence being rational; having no given natural, sensual or emotional form, nothing lyric, dramatic or symbolic, but being constructed from mere pictorial elements, meaning only oneself, simple and visually controllable, precisely produced and of absolute distinctness.

Already in 1930 van Doesburg - who had often been criticized for his dogmatism, simultaneously living and praising dynamics and change – had to admit that the period of rigid manifests had passed by. In February 1931 the group `abstraction – création’ was founded in his house in Meudon, only three weeks before he died on March 7th, 1931.

The gkg -by this exhibition- profits of the occasion of the 80-year-jubilee of his manifesto to look into the question whether the work of this ‘Father of Concrete Art’ is still of topical interest and effect in the Netherlands. For choosing the participants the first criteria was their going into van Doesburg’s idea of concrete art as a global one. Furthermore the question is raised what has remained – almost 80 years after his death - of the ideas having been initiated, demanded and persued by this personality full of versatility and contradiction ? (he initiated, demanded and pursued, this personality full of versatility and contradiction.)

The exhibited works of nine artists, aged between 85 and 40 disclose the manifold interest in van Doesburg and thus his influence. This is pronounced either as more or less direct reference, the arguing about or as a reflected opposition to ‘de Stijl’. These works are based on questioning the conditions of art and its degree of reality, about colour and light, space and time, statistics and dynamics.

Theo van Doesburg and congenial artists already realized that these questions were of central interest. Still today – and probably further on – artists profit of the geometrical, basic forms and their endless possibilities, whether precise or playful, systematic or intuitive, conceptual or self reflecting, or even with dadaistic reference to common life.

The narrow concept of concrete art, being based on geometrical rules and systems, is rejected by many of the younger generation. But it is still of undejected vitality, declarative power and relevance as an expression of a non-objective sphere of ideas, concepts and theories.

Referring to the opposing poles in van Doesburg’s ideas are two artists of the elder generation:
Henk Peeters (*1925), co-founder of the group ‘nul’, traces out the dadaistic, subversive moment with inclination and humour. Bob Bonies *(1937) on the other hand rests on ‘de Stijl’ in its rational repertoire, reduced to geometrical basic forms.
In between a wide range of manifold points of contact fans out. Evident relation to ‘de Stijl’ is shown in the works of, Arjan Janssen (*1959), Krijn de Koning (*1963) and Guido Winkler (*1969). But they concentrate on a more playful, sentient dealing with objects, space, his basic elements and colours, less on the serial variation of the perfect geometrical form. WJM Kok (*1959) questions the conditions of painting and its perception, thus pushing the concretion of painting to its extreme end.
Gracia Khouw (*1967) works with free typological use of language and characters, while Piet Tuytel (*1956) combines commodity, precise forms and series with a dadaistic twinkling. José Heerkens (*1950) has developed from abstraction to concretion, her rhythmical colour-lines are reminding of notations.

At least there’s one important aspect to be mentioned: All artists are internationally orientated and linked, like van Doesburg, their antecedent.