Schnittstelle | Muster
Eröffnung Freitag, den 5. 2. 2010, 19 Uhr
Einführung Franz Joseph van der Grinten
Öffnungszeiten 6. 2. bis 28. 3. 2010
Mi, Do, Fr 15 – 18, Sa 14 – 17, So 11 – 14 Uhr
Vortrag Das textile Model
So, 21. 3. 2010, 16 Uhr,
Dr. Kerstin Kraft, Marburg
Die Ausstellung versteht sich als Auftakt zu einer Ausstellungsreihe, in der die künstlerische Beschäftigung mit Mustern als Schnittstelle zu anderen Disziplinen untersucht werden soll. Die erste Schnittstelle bilden Nomaden-Teppiche, denen Arbeiten von Sophie Taeuber-Arp, Erwin und Hildegard Heerich sowie Andreas Karl Schulze gegenübergestellt werden.
Teppiche aus ungegenständlichen, oft geometrischen Formen und Mustern zu weben oder zu knüpfen ist eine uralte Kulturtechnik. In der Entwicklung der europäischen Avantgarde lassen sich immer wieder Schnittstellen mit dieser Tradition finden.
Die vor allem aus Gabbeh-Teppichen bestehende Sammlung Cremer umfasst Teppich-Schlafdecken und Meditationsmatten. Im Unterschied zur ständigen Reproduktion eines einmal entwickelten Musterkanons der meisten Teppichprovenienzen, sind in ihnen Techniken und Formen unterschiedlicher Traditionen aufgegriffen, assimiliert und sparsame, flächige, oft rein geometrische Ornamentierung individuell gestaltet.
Arbeiten von vier Künstlern, mit denen zugleich ein Bogen über ein Jahrhundert gespannt wird, veranschaulichen exemplarisch die fundamentale Bedeutung des textilen Musters für die geometrisch-abstrakte Kunst.
Die Anfänge der geometrischen Abstraktion und deren Beschäftigung mit textilen Mustern werden repräsentiert durch eine Stickerei, einen Webteppich sowie Gouachen von Sophie Taeuber-Arp aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.
Eine Neudefinition gegenstandsloser Kunst in den 1950er und 60er Jahren lässt sich an Arbeiten von Erwin Heerich ablesen. Für seine Kunst war das Interesse für Flächen- und Raummuster sowie für mechanische Formzusammenhänge von zentraler Bedeutung. Die Verwandtschaft zum Teppich besteht insbesondere im Vollzug eines ‚Handlungskonzeptes’ und der damit einher gehenden Anonymität der Realisierung sowie in der mathematischen Kodierweise. Zugleich wird das zugrunde liegende neutrale Quadratraster gewissermaßen ‚lebendig’ gefüllt. Die Schnittstelle wiederum zeigt sich darin, dass Heerichs Kunst ein strenger Konstruktivis-mus zugrunde liegt. Er erfindet bildnerische Konzepte, die Form generieren, um die Kulturtechnik Kunst an ihre Grenzen zu führen und sich schließlich vom reinen Flächenmuster abzuwenden. Das veranschaulichen Musterstudien und Teppich-Entwürfe sowie fünf von Hildegard Heerich realisierte Teppiche.
Der zeitgenössische Umgang mit Mustern schließlich wird durch den Kölner Künstler Andreas Karl Schulze vertreten. Er arbeitet mit textilen Farbquadraten, die er orts- und in diesem Falle auch ausstellungsbezogen ebenso präzise wie spielerisch zu setzen versteht. Wie aus einem Teppich ausgeschnitten treten sie in Erscheinung, um in einer Art Interaktion zwischen Raster und Zufall das Muster zu thematisieren, indem sie dieses unterwandern bzw. sich ihm entziehen
Wir danken
Für die Leihgaben Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V., Hildegard Heerich, Martin Heerich, Museum Schloß Moyland, Stiftung Insel Hombroich, Siegfried Cremer
Für die Vermittlung der Leihgaben Franz Joseph und Franz van der Grinten, Martin Heerich, Dr. Agnieszka Lulinska
Idee und Konzeption der Ausstellung Susannah Cremer-Bermbach in Zusammenarbeit mit Norvin Leineweber