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Transparenz und Transzendenz der Farbe
Antonio Calderara l Sabine Funke l Edda Jachens

1968 entwarf Antonio Calderara (1903 – 1978) für die von August Haseke in seiner Hannoveraner galerie + edition h herausgegebenen Mappenreihe ‚Sequenzen’ eine Serie von 6 Aquarellen im Format 20,5 x 16 cm mit einer Auflage von 10 + 2 Exemplaren. Ihr voraus gegangen war 1967 eine größere Anzahl von ‚projetti’, einzelnen Entwürfen und Serien aus 6, 7 oder 8 Aquarellen und geringfügig variierender Blattgröße.
Diese ‚projetti’, die mehr als vier Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nun erstmals öffentlich ausgestellt werden, sind ein Konzentrat all dessen, worum es Calderara ging: „das ‚Nichts’ (zu) malen, welches das Ganze ist, das Schweigen, das Licht. Maß, Ordnung, Harmonie, das Unendliche.“ Das Aquarell eignet sich wie kaum eine andere Technik, über die Transparenz der Farbe ihr transzendentes Wesen sichtbar zu machen. Zugleich vermitteln die ‚projetti’ auf beiläufige, intime Art einen Einblick in den Prozess steter Annäherung an den immateriellen Charakter der Farbe als farbiges Licht.

Um transzendente Qualitäten der Farbe geht es auch in den Bildern von Sabine Funke (*1955, lebt und arbeitet in Karlsruhe) und Edda Jachens (*1960, lebt und arbeitet in Stuttgart).
Sabine Funke schafft Farbraumbilder aus klar konturierten, übereinander geschichteten opaken oder semitransparenten Farbflächen von ungleicher Größe. Ähnlich wie Josef Albers erkundet sie dieses „zuhöchst relative Medium der Kunst“ (J. Albers) über die Wechselwirkung von meist kräftigen, leuchtenden Farben, die nuanciert abgestuft in Erscheinung treten, das Auge stimulieren, den Betrachter ergreifen.

Edda Jachens wiederum überzieht exakte Formen, bevorzugt Kreise und Rechtecke, mit einer semitransparenten Schicht aus Paraffin, die wie ein Weichzeichner wirkt. In erwärmtem, flüssigem Zustand aufgetragen, haftet dem Paraffin etwas Warmes und Weiches an, auch nachdem es erkaltet und fest geworden ist. Diese Wirkung korrespondiert zu der durch die Unschärfe erzeugten Weichheit der Konturen und Farben, zieht den Blick des Betrachters ins Bild hinein.