Sep Ruf - Planungen und Bauten für Bonn in den 50er und 60er Jahren Sep Ruf (1908 – 82) ist einer der bedeutendsten Vertreter einer Architektengeneration, die an eine von Gropius, Mies van der Rohe, Le Corbusier und anderen international geprägte Moderne anknüpf-te, um sie den gesellschaftspolitischen Erfordernissen der Nachkriegszeit und zugleich dem eigenen ästhetischen Anspruch gemäß nutzungsgerecht, bescheiden und doch großzügig weiterzuentwickeln. Diese Haltung ist sicht- und erlebbar in Rufs Siedlungsplanung wie in seinen Gebäuden, die gleicher-maßen eine differenzierte Anordnung unterschiedlicher Baukörper kennzeichnet. Glas und Naturstein sind die bevorzugten Materialien, aus denen er seine Stahlskelettkonstruktionen schuf, um Tradition und Moderne miteinander zu verbinden oder antithetisch zu akzentuieren. Ent-sprechend sind seine Bauwerke geprägt von lichter Transparenz, filigraner Leichtigkeit und pro-portionierter Stabilität, von konsequenter Klarheit, zurückhaltender Eleganz und einer Öffnung in die Landschaft. Die längst überfällige, seiner Bedeutung angemessene Würdigung des Gesamtwerks gelang im Herbst 2008 dem Architekturmuseum der TU München mit einer umfangreichen Publikation und einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne anlässlich seines 100-jährigen Geburtstages. In Bonn ist sein Name vor allem verbunden mit dem Kanzlerbungalow. Dass die provisorische Haupt-stadt in den 50er und 60er Jahren nach München und Nürnberg Rufs dritten Arbeitsschwerpunkt bildete, ist dagegen weniger bekannt. Die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung widmet Sep Ruf nun eine Ausstellung, in der erstmals seine gesamte Tätigkeit in Bonn und seine Bedeutung für die provisorische Hauptstadt gewürdigt wird. Mit Fotos von Laurenz Berges und Ingmar Kurth steht das Bauwerk im Mittelpunkt, das auch innerhalb seines Gesamtwerks zu den wichtigsten zählt. Dem Blick der Künstler stellt sich der Kanzlerbungalow allerdings nicht nur als ein bis heute gültiger Ausdruck der Moderne und als Sinnbild demokratischen Bauens dar, sondern vor allem als ein von seinen Bewohnern verlassener Ort. Ein historischer Teil zeigt Drucke von Paul Swiridoffs Fotos des Kanzlerbungalows aus den 1960er Jahren, die im Zusammenhang mit dem in der Edition Axel Menges erschienenen Buch von Andreas Schätzke und Joaquin Medina angefertigt wurden. Die Siedlungsplanung und weitere Bauten in Bonn werden vorgestellt mit Plänen, Luftaufnahmen und Detail-Ansichten aus den 50er und 60er Jahren, u. a. von Hans Schafgans, ergänzt mit einer aktuellen Foto-Dokumentation des Hauses der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der ehemaligen Bayrischen Landesvertretung von Sonja Rothweiler sowie einem Modell und einem Grundriss des Kanzlerbungalows. Auf seinen spiritus rector und den architektonischen Kontext verweisen Roland Halbes Fotos des Privathauses von Ludwig Erhard in Gmund als einziges Beispiel außerhalb Bonns. Es erscheint eine Publikation mit Fotos von Laurenz Berges, Roland Halbe, Ingmar Kurth und Sonja Rothweiler, einer historischen Dokumentation und einem Text von Angelika Schyma.
Wir danken: der Kunststiftung der Sparkasse in Bonn und dem Ministerpräsident des Landes NRW für die finanzielle Unterstützung und den beteiligten Fotografen sowie Amrei Heyne Fine Art Consulting, Stuttgart, Boris Schafgans, Berlin und Till Bermbach, Bonn - Edition Axel Menges, Stuttgart - Prof. Dr. J. Medina, TU Kaiserslau-tern - Dr. Angelika Schyma, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland - Stadtarchiv, Bauordnungsamt und Untere Denkmalbehörde Bonn – Haus der DFG, M. Finetti / L. Rink – für Fotos und Druckvorlagen.
BEGLEITVERANSTALTUNGEN: Am Sonntag, den 25. 10., 11 Uhr, hält Jun.Prof. Dr. Joaquin Medina einen Vortrag über den Kanzlerbungalow; Kombi-Führungen durch die Ausstellung und den Kanzlerbungalow finden am 15. und 22. 11. 2009 statt. (Anmeldung erforderl.) Weitere Veranstaltungen werden rechtzeitig bekannt gegeben.
HINWEIS: Die Architekturgalerie am Weißenhof 30 in Stuttgart zeigt zeitgleich eine Ausstellung zu Sep Ruf, die am 30. 9. 2009 eröffnet wird. Weitere Informationen unter: www.weissenhofgalerie.de
|