de/cipher 22.1.2023–16.4.2023

Kategorie: AKTUELL, Allgemein, Ausstellung, Großer Raum, presse, Studio

de/cipher
22. Januar bis 16 April 2023

Zum semiotischen Wechselspiel von Ver- und Entschlüsselung und ihrer Übersetzung in Linien, Formen, Farben, Muster, Zeichen, Symbole

Kommunikation findet ständig und auf vielfältige Weise über Zeichensysteme aller Art statt. Kodierte Zeichen wie Buchstaben, Zahlen, Symbole stellen Informationen dar und vermitteln sie. Meistens nutzen wir sie, ohne darüber nachzudenken. Wird der reibungslos ablaufende Automatismus gestört, den die übliche Anordnung bekannter semantischer Elemente garantiert, brechen gewohnte Wahrnehmungsabläufe auf und setzen weitere Möglichkeiten der Übersetzung frei.
Dem Fokus der Ausstellung entsprechend bezieht sich der Titel auf den Begriff der Chiffre, in dem über die Kodierung hinausgehend das Rätselhafte, Geheimnisvolle, auch Missverständliche einer verschlüsselten Information mitschwingt. Entsprechend bezeichnete der Existenzphilosoph Karl Jaspers Denkerlebnisse, die uns materiell nicht Erfassbares vermitteln, als Chiffren.
Diese in möglichst viele Richtungen visuell erfahrbar zu machen, ohne der Beliebigkeit anheim zu fallen, ist die Ausstellung in drei eng miteinander verwobene Teile gegliedert.

Den Ausgangspunkt bilden ausgewählte Werke von vier Künstlerinnen:
Gracia Khouw (NL) benutzt Worte als Rohmaterial und architektonisches Skelett. In ihrer ‚Ertussendoor‘- bzw. ‚Inbetween‘-Serie stellt sie die Vielansichtigkeit adverbialer Wörter wie ‚dazwischen‘, ‚überall‘ oder ‚irgendwohin‘ vor, die für sich genommen nichts aussagen, im Satzgefüge jedoch eine wichtige Rolle spielen.
Marjorie Welish befragt in vier Diptychen ihrer Serie ‚Undecidebility of the Sign: Yellow/Black‘ am Beispiel des gelb-schwarzen Warnbands und seiner Auflösung in ein anspielungsreiches Muster mit der Eindeutigkeit zugleich die Kodierung als solche.
José Heerkens übersetzt in ihren Bildern und Papierarbeiten aus der Werkgruppe ‚Paint to write‘ die Komposition eines formalen Briefes in Malerei, schreibt mit Linien und Farben, nicht mit Worten. Johanna Reich führt mit den fotografischen Ergebnissen der handschriftlichen Übertragung des Codes für den Druck eines weißen Blattes die spezifischen Qualitäten der beiden Medien und ihre jeweiligen Grenzen vor Augen.

In einem zweiten Teil werden die genannten und weitere Aspekte vertieft und ergänzt durch Wandobjekte von Carlo Battisti (I) und Naho Kawabe (Japan/D),
Papierarbeiten von Jochen Gerz (D/F), Wjm Kok (NL), Joseph Kosuth (USA),
Vera Molnar (HU/F), Franz Mon (D), Gonzalo Reyes Araos (Chile/D),
Eva-Maria Schön (D), Anita Stöhr-Weber (D),
Künstlerbuch-Editionen von Tatjana Macić (NL/SR), Vera Molnar, Gonzalo Reyes Araos, Takako Saito (Japan/D) und Ulrich Wagner (D), ein Video von Peter Wüthrich (CH), Artikel-Editionen von Eugen Gomringer (D), Gerhard Rühm (A/D) und Timm Ulrichs (D).

Ein dritter Teil hebt den akustischen Aspekt von Kommunikation hervor,
zum einen mit Objekten von Julia Bünnagel (D) und Keti Kapanadze (Georgien/D);
zum anderen durch die Performance ‚Unravel‘ von Jane Brucker / Jeremy Wasser (USA/D) während der Eröffnung am 22. Januar und die jeweils einem Buchstaben gewidmeten Séances von Paul Goede (NL) am 27., 28. und 29. 1. sowie am 10.,11. und 12.2.2023.

Über weitere Veranstaltungen, Daten und Uhrzeiten wird jeweils hier auf der Website der gkg und in unserem Newsletter informiert. Es erscheint eine Publikation zur Ausstellung.

22. Januar bis 16. April 2023

Eröffnung: Sonntag, 22. Januar 2023, 11 bis 17 Uhr
Begrüßung: Dr. Gabriele Uelsberg, Vorsitzende der gkg, 12 Uhr
Einführung: Dr. Susannah Cremer-Bermbach, Kuratorin
Performance: Jane Brucker / Jeremy Wasser: ‚Unravel‘

Öffnungszeiten: Mi–Fr: 15–18 Uhr, Sa: 14–17 Uhr, So: 11–17 Uhr

Veranstaltungen:
Paul Goede: Séance silent high (27. Januar, 15:30 Uhr, 28. Januar, 15:30 Uhr, 29. Januar, 12:00 Uhr)
S séance (10., 11., 12. Februar)

Konzeptkarte für die dem Buchstaben ‚H‘ gewidmete Mental Seance ‚Silent High‘ von Paul Goede:

Mit freundlicher Unterstützung von:


English version:

On the semiotic interplay of encoding and decoding and the translation into lines, shapes, colors, patterns, signs, symbols,
presented with works by José Heerkens, Gracia Khouw, Johanna Reich, Marjorie Welish,
complemented and deepened by objects, works on paper, video, artists‘ books and works and performances dedicated to the acoustic aspect of language by Carlo Battisti (I), Jane Brucker/Jeremy Wasser (USA/D), Julia Bünnagel (D), Paul Goede (NL), Keti Kapanadze (Georgia/D), Naho Kawabe (Japan/D), Jochen Gerz (D/F), Wjm Kok (NL), Joseph Kosuth (USA), Tatjana Macić (NL/SR),
Vera Molnar (HU/F), Franz Mon (D), Gonzalo Reyes Araos (Chile/D), Takako Saito (Japan/D), Eva-Maria Schön (D), Anita Stöhr-Weber (D), Ulrich Wagner (D), Peter Wüthrich (CH) as well as article editions by
Eugen Gomringer, Gerhard Rühm, Timm Ulrichs and artist books by other artists.

January 22 – April 16, 2023

Opening: Sunday, January 22nd, 2023, 11 a.m.–5 p.m.
Welcome: Dr. Gabriele Uelsberg, chairwoman of the gkg, 12 p.m.
Introduction: Dr. Susannah Cremer-Bermbach, curator
Performance: Jane Brucker / Jeremy Wasser: ‚Unravel‘

Events:
Paul Goede: Séance silent high (January 27, 3:30 p.m., January 28, 3:30 p.m., January 29, 12 p.m.) – S séance (February 10, 11, 12).

Further events, dates and times will be announced on the gkg website and in the newsletter. There will be a publication on the exhibition.

Opening hours: Wed–Fri: 3pm–6pm, Sat: 2pm–5pm, Sun: 11am–5pm.

With kind support from:


Abbildungen: Zweiteiliges Leporello, das von Gracia Khouw (oben) und Marjorie Welish (unten) im Dialog miteinander entwickelt wurde, Siebdruck auf festem Papier, 2 Teile, 6 Seiten, einseitig bedruckt, jeweils 22,9 x 244 cm, zusammengefaltet 22,9 x 40,7 cm, Aufl. 10 Ex. + 2 AP

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