System & Willkür: Nancy Macko // Siegfried Cremer

Kategorie: Archiv, Ausstellung, Großer Raum

System und Willkür: Nancy Macko // Siegfried Cremer

Die lithographischen Serien der ersten zehn Primzahlen und eine dem Dirichletschen Primzahlsatz gewidmete Videoarbeit der US-amerikanischen Künstlerin Nancy Macko treten in einen Dialog mit reduzierten Reliefs und Bildobjekten von Siegfried Cremer, mit denen er in den 1970er Jahren raumzeitliche Verhältnisse auslotete.

Die beiden lithographischen Serien zu den ersten zehn Primzahlen der US-amerikanischen Künstlerin Nancy Macko sind zwischen 2004 und 2009 entstanden. Sie stehen in einer Beziehung zu ihrer künstlerischen Beschäftigung mit dem astrophysikalischen Phänomen der ‚Dunklen Materie’, die sich bis heute der Sicht- und Meßbarkeit entzieht.

Die graphische Umsetzung zielt darauf, jede der ersten zehn Primzahlen als eine sich entwickelnde Gruppierung bzw. ein cluster, eine Konstellation, eine Zelle oder einen bienenstockartigen Haufen vorzustellen: und somit als etwas Organisches, scheinbar Ungeordnetes, dessen Organisation nicht unmittelbar zu erkennen ist oder sich als bewegte in der ständigen Veränderung verbirgt.

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Siegfried Cremer, der im Januar dieses Jahres 85-jährig gestorben ist, hat sich in den 1970er Jahren ebenfalls mit der ‚Dunklen Materie’ beschäftigt. Fasziniert von der Vorstellung unsichtbarer Sterne, sog. ‚Schwarzer Löcher’, für die eine extrem hohe Materiedichte angenommen wird, entwickelte er die Werkgruppe der ‚komprimierten Bilder’. Es handelt sich dabei um kleinformatig verdichtete Bildobjekte und monochrome Gemälde, die sich auf der Wand und in den Raum ausdehnen. Voraussetzung hierfür ist ein großzügig bemessenes neutrales, von anderen optischen Sensationen befreites Umfeld.

hohlraumbild-1981-Durchm 8,3 cm-Tiefe 7,5 cm

Mehr noch galt Cremers Interesse Zahlenverhältnissen, namentlich den pythagoreischen, musikalischen Harmonien entsprechenden wie 2 : 1 (Oktave), 3 : 2 (Quinte), 4 : 3 (Quarte) usw., die auch für die Baukunst seit der Antike von grundlegender Bedeutung sind. Unmittelbar Bezug darauf nimmt eine Mitte der 1970er Jahre entstandende Serie von Holzreliefs, in denen definierte, berechenbare Zahlenverhältnisse mit der organischen, keinem Muster folgenden Maserung des verwendeten Holzes in einen Dialog treten.

holzrelief-1975-61 x 35 x 1,8 cm

Sicht- und unsichtbare, meß- und nur bedingt meßbare Verhältnisse spielen auch in weiteren Werkgruppen eine markante Rolle – vom Minimalbild, das eine winzig kleine Bildfläche zu einer zigfach größeren in ein definiertes, als solches jedoch nicht faßbares Verhältnis setzt, bis hin zum Distanzbild, das eine nur an zwei Seiten begrenzte leere Wandfläche zum offenen Bildraum macht.

Kuratierung: Dr. Susannah Cremer-Bermbach.

Eröffnung: Freitag, 17. Juli 2015, 19 Uhr
Begrüßung: Dr. Susannah Cremer-Bermbach (gkg)
Einführung: Jane Brucker im Gespräch mit Nancy Macko
Performance: Jane Brucker, Los Angeles/CA: Pfennig

Öffnungszeiten:
Samstag, 18. Juli bis Sonntag, 23. August 2015
Mi-Fr 15-18 | Sa 14-17 | So und feiertags 11-14 Uhr

Rahmenprogramm: 
Samstag, 22. August 2015, 15 Uhr
Forum zum Saisonstart 2015:
Prof. Dr. Erich Franz, Münster, im Gespräch mit Dr. Susannah Cremer-Bermbach und Prof. Andreas Denk über die Arbeiten von Siegfried Cremer

1 Kommentar

  1. Hi Susannah,
    congratulations with this exhibition. It is to far away to come over and see the works. As you know I have been interested in this issue since a long period. In my book “ ∑|Space| “ there is also an article dealing with (endless) limitation in math and physics (“ An Arena called Space“ by Dirk van Delft p.105=107). I hope in time there will be some photographs of the show on the site of the GKG to get an impression.
    All the best to you.
    Please do continue your efforts to realise these kind of exhibitions.
    Kind regards,
    Piet

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